Friedrichstadt

Die Stadt Friedrichstadt liegt zwischen den Flüssen Eider und Treene im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein. Der Luftkurort Friedrichstadt wurde 1621 durch den gottorfschen Herzog Friedrich III. gegründet und ist heute ein hochrangiges Kulturdenkmal. Herzog Friedrich III. zielte auf Errichtung einer Handelsmetropole und holte dazu niederländische Bürger, besonders die verfolgten Remonstranten, an den Ort und gewährte ihnen Religionsfreiheit. Infolge dieser Maßnahme siedelten sich auch Mitglieder vieler anderer Religionsgemeinschaften in Friedrichstadt an, so dass der Ort als „Stadt der Toleranz" galt. Heute sind noch fünf Religionsgemeinschaften aktiv. Die Bauten der niederländischen Backsteinrenaissance und Grachten prägen das Stadtbild des heute vor allem vom Tourismus lebenden „Holländerstädtchens" mit knapp 2.500 Einwohnern.

Eine Schleuse trennt Friedrichstadt von der Eider. Die Gezeiten, die von der Nordsee kommend bis zum Bau des Eidersperrwerks im Fluss noch einen durchschnittlichen Tidenhub von 2,1 Meter verursachten, beeinflussen den Wasserstand innerhalb Friedrichstadts somit nicht. Vor Überflutung durch Sturmfluten ist die Stadt damit doppelt geschützt.Zwei Sielzüge mit drei, ursprünglich vier, Sielen verbinden die Treene mit der Eider und entwässern das Gebiet um den Zusammenfluss. Die Stadt liegt daher auf einer künstlichen Insel. Im Süden begrenzt die Eider das Stadtgebiet, im Norden die Treene. Die Ost- und Westgrenze werden jeweils durch den Oster- und Westersielzug gebildet. Durch die Innenstadt selbst fließen zwei Kanäle, die die Sielzüge miteinander verbinden: Mittelburggraben und Fürstenburggraben.

Der Westersielzug ist dabei mit etwa 30 Metern Breite und vier bis fünf Metern Wassertiefe der größere der beiden Hauptkanäle, während der Ostersielzug im Schnitt nur etwa zehn Meter breit und zwei bis drei Meter tief ist. Die Kanäle in der Stadt sind deutlich kleiner. Die Strömungsverhältnisse unterscheiden sich stark, je nachdem ob die Schleuse zur Eider hin offen oder geschlossen ist. Während die Kanäle bei geschlossenen Toren beinahe stehende Gewässer sind, können sich bei offenem Wasser starke Strömungen entwickeln. Die Bäume der Stadt bieten Lebensraum für zahlreiche Dohlen, die Wasserarme für unzählige Stockenten, deren Fütterung angesichts der Überpopulation mittlerweile verboten wurde. An der Westseite des Marktplatzes befinden sich noch neun Treppengiebel aus Backstein, die in der Gründerzeit der Stadt entstanden sind und heute das größte zusammenhängende Ensemble von Bauten aus der Gründungsphase der Stadt bilden. Wie die anderen Häuser aus der Gründungsepoche auch, sind diese den holländischen Vorbildern gemäß hoch und schmal. Das „Edamerhaus" soll an ein Gebäude in Edam erinnern und zeigt noch Engelsköpfe aus Sandstein und Maueranker. Die Apotheke direkt daneben ist das einzige Gebäude mitund dient dieser Funktion schon seit dem 18. Jahrhundert. Der Treppengiebel stammt aus dem 20. Jahrhundert.

Das Haus daneben, am Markt 20, hingegen hatte historisch einen Treppengiebel, bekam aber im 19. Jahrhundert ein Flachdach, was die Wirkung des gesamten Ensembles schwerwiegend beeinträchtigte. Erst in den 1970er-Jahren erhielt es wieder einen Treppengiebel, der sich aber noch deutlich vom restlichen Haus absetzt. Das „Mühlenhaus" daneben gehörte einst dem Besitzer der Eidermühle und hat eine dementsprechende Hausmarke. Nach langen Jahrzehnten des Verfalls wurde es erst in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre restauriert. Die Bebauung auf der Südseite des Marktplatzes überlebte die Kanonade von 1850 nicht. Der eigentliche Platz teilt sich in der Mitte in einen steinernen Abschnitt auf der West- und einen begrünten Teil auf der Ostseite. Die beiden Teile trennt eine Reihe von Eisenstangen, die noch aus der Zeit des Pferdemarkts stammen und ursprünglich dazu dienten, die Tiere anzubinden. Auf der Mitte des Marktes steht ein kleines Brunnenhäuschen von 1879. Das von Heinrich Rohardt errichtete Gebäude ist mit vier plattdeutschen Sprüchen des Dichters Klaus Groth zum Thema Wasser verziert.

In der Stadt sind drei Museen angesiedelt. Das "Museum für Friedrichstädter Geschichte" ist seit 1997 in der "Alten Münze" untergebracht. Es erlaubt nicht nur einen Blick in den benachbarten mennonitischen Betsaal, sondern zeigt auch Artefakte aus der Stadtgeschichte und ihrer multireligiösen Prägung. Die wechselnden Ausstellungen zeigen unter anderem auch Bilder einheimischer Künstler. Das "Tischlereimuseum Jacob Hansen" besteht vor allem aus der ehemaligen Werkstatt des Tischlermeisters Jacob Hansen, die im Zustand zwischen den beiden Weltkriegen erhalten ist. Hansen selbst führte sie in diesem Zustand dreißig Jahre, bis er im Alter von 92 Jahren 1999 verstarb. In dieser Zeit restaurierte er vor allem alte Möbel und kaufte aus Platzmangel weder Werkzeug nach, noch sonderte er es aus. Nach dem Umbau zum Museum arbeitet dort heute ein Restaurateur. Schließlich befindet sich noch ein "Puppen- und Spielzeugmuseum" am Friedrichstädter Markt. Direkt am Marktplatz findet sich die markanteste der innerstädtischen Brücken. Die Große Brücke bildet ein zentrales Motiv des so genannten „Malerwinkels" in der Stadt. Die Natursteinbrücke aus Granit wurde vermutlich 1773 errichtet und hat Platz für eine einstreifige Fahrbahn und zwei schmale Gehwege. Bei einer Sanierung 1980/1981 wurde das komplette Stirn- und Flügelmauerwerk abgetragen, die Steine nummeriert, die inneren tragenden Teile mit Beton und Stahlbeton verstärkt und die Flügel- und Stirnsteine wieder in der alten Form aufgebaut, so dass sie seitdem wieder problemlos Fahrzeuge trägt.

Insgesamt zählt die Stadt 18 Brücken über die verschiedenen Flüsse und Kanäle. Darunter befinden sich ebenso reine Fußgängerbrücken wie Brücken für den Fernverkehr. In der Stadtmitte führen neben der Großen Brücke auch drei Fußgängerbrücken aus Holz über den Mittelburggraben. Die neueste Fußgängerbrücke ist die Blaue Brücke, eine Zugbrücke über den Westersielzug, die auch bei Anglern sehr beliebt ist. Über den Fürstenburggraben führt die Fürstenburggrabenbrücke, eine Straßenbrücke aus Ziegel. Grachtenfahrten zweier konkurrierender Bewerber sind in diesem Bereich ein ebenso beliebtes Angebot wie die auf 100 m² verteilte Minieisenbahnanlage namens „Modellbahn-Zauber". Beide sind aufgrund ihrer Größe als private Wirtschaftsfaktoren im touristischen Bereich zu nennen. Die Stadt selbst bietet zwischen Juli und September tägliche Stadtführungen an, die teilweise von Führerinnen und Führern in Kleidung, die holländischen Trachten nachempfunden sind, geleitet werden.

Regelmäßige Veranstaltungen:

 

Ostereiermarkt, bei dem Künstler und Kunsthandwerker aus ganz Deutschland und den Nachbarländern ihre Arbeiten ausstellen und zum Verkauf anbieten.

 
Drachenbootfestival am zweiten Juli-Wochenende. Drachenbootrennen der Rudergesellschaft und familiäre Flaniermeile.

 
Friedrichstädter Festtage am letzten Juliwochenende. Sie heben sich von anderen Veranstaltungen gleicher Art durch den Lampionkorso auf den Grachten ab. Hierbei bewerben sich diverse phantasievoll geschmückte Boote darum, durch eine Jury ausgezeichnet zu werden.

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Fotos:  Dirk Ingo Franke, Southgeist, Andreas Grzybowski, CeGe,

           Steffen Mokosch, User ES01, Bernd Untiedt, Smial